Pressespiegel2006RP, 20.11.2006

Tilly: Karneval-Kritik bis zur Schmerzgrenze

Rheinische Post, 20.11.2006. RP-Foto: Paul Esser

(wber) Dirk Kronauer, Präsident der Rheinischen Garde Blau-Weiss, war mächtig stolz. Gerade hatte er Jacques Tilly, dem Mann, der die brisanten und umstrittenen Mottowagen zu Rosenmontag baut, beim Senatorenabend im kleinen Saal des Stahlwerks die Narrenkappe aufgesetzt. "Prima, wir sind die ersten."

Tatsächlich hatte der Künstler, der den Düsseldorfer Rosenmontagszug zur Nr. 1 in Deutschland machte, bisher überhaupt nicht daran gedacht, einer Jecken-Gesellschaft beizutreten. Jetzt also ist er ein richtiger närrischer Senator.

In einer Ansprache erinnerte sich der studierte Kommunikations-Designer: "Früher war die Gestaltung der Wagen für mich Nebenjob. Jetzt muss ich mehrere Mitarbeiter beschäftigen." Dann hatte er die Lacher auf seiner Seite: "Früher waren für uns Künstler in der Wagenbauhalle die Karnevalisten sonderbare Wesen, die rohes Fleisch (Mettbrötchen) essen und jede Menge Bier schlucken. Mittlerweile verstehen wir uns gut." Die Garde geht mit ihm einen neuen Weg im Wagenbau. Kronauer: "Nicht einfach nur schön geschmückte Gesellschafts-Karossen - wir sind Karnevalisten, wollen kritisch sein." Tilly hat in diesem Jahr den Wagen gestaltet (RP berichtete). Er freute sich: "Der richtige Kurs. Der Karneval muss kritisch bis zur Schmerzgrenze sein, darf sich nicht von Vorschriften amputieren lassen."