Pressespiegel2008Welt Online, 10.2.2008

Der böse Karnevalist aus Düsseldorf

Welt Online, 10.2.2008, von Willi Keinhorst

NRW persönlich: Jacques Tilly

Der Karneval ist vorbei. Zeit, um ein Fazit des jecken Treibens zu ziehen. Und wie schon seit Jahren gilt: Die Stimmung beim Rosenmontagszug mag in Köln unübertrefflich sein, doch die besten Wagen gab es erneut in Düsseldorf zu sehen.

Ihr Schöpfer ist Jacques Tilly. Dieser Mann sorgt mit seinen frechen Ideen immer für Aufsehen. Dem deftigsten Spott sind dabei unsere Politiker ausgesetzt. Tilly provozierte aber auch schon mal mit einem Motiv, das den Kölner Kardinal Meisner als Inquisitor darstellte. Er ließ den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) blankziehen und die CDU-Chefin Angela Merkel aus dem Po von US-Präsident George W. Bush krabbeln. Und das Narrenvolk war außer sich vor Schadenfreude.

Diesmal machte er vor allem mit seinem Nokia-Wagen von sich reden. Er nutzte den Slogan des finnischen Unternehmens "Connecting People" (Menschen verbinden) und funktionierte ein riesiges Handy zum Schwert um, das Mitarbeiter brutal durchbohrt.

Politisch korrekte Aussagen sind Tillys Sache nicht. Zum Glück. So konnte man sich diesmal über Kardinal Meisners Fettnäpfchen amüsieren, über die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth, die den Islam "ganz doll lieb" hat, über Osama bin Laden als "Osama Bin Baden" in einer mit Blut gefüllten Badewanne.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama wurde als kleiner Hund dargestellt, der seiner Konkurrentin Hillary Clinton in den Hintern beißt. Bundeskanzlerin Angela Merkel und den SPD-Vorsitzenden Kurt Beck steckte Tilly gemeinsam in eine Unterhose - Sinnbild einer festgefahrenen Großen Koalition.

Gemessen an der Düsseldorfer Schärfe kommen die Züge in anderen Städten eher harmlos daher. Kein Wunder, dass die Kölner deshalb bereits versuchten, Jacques Tilly abzuwerben. Vergeblich - der Mann weiß doch, was er an Düsseldorf hat.